Im September beginnt jedes Jahr dieselbe Frage: Wann sollte man sich gegen Grippe impfen lassen – und braucht man die Impfung überhaupt? Für die Saison 2026/27 gelten die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) in ihrer aktuellen Fassung von 2026.
Wichtig ist zuerst die Unterscheidung: Die Grippeimpfung schützt gegen Influenza. Sie verhindert nicht jede Erkältung und auch nicht automatisch andere Atemwegsinfektionen. Für bestimmte Personengruppen empfiehlt die STIKO die jährliche Impfung jedoch ausdrücklich, weil bei ihnen das Risiko für schwere Verläufe oder Komplikationen erhöht ist.
Für wen empfiehlt die STIKO die Grippeimpfung?
Nach den aktuellen STIKO-Empfehlungen gehört die Influenza-Impfung insbesondere für folgende Gruppen zur Standard- beziehungsweise Indikationsimpfung:
- Menschen ab 60 Jahren,
- Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, zum Beispiel chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislauferkrankungen, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten sowie bestimmten neurologischen oder immunologischen Erkrankungen,
- Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen,
- Schwangere entsprechend der aktuellen STIKO-Empfehlung,
- Menschen mit erhöhtem beruflichem Infektionsrisiko beziehungsweise mit vielen Kontakten zu anderen Personen, beispielsweise in bestimmten medizinischen oder pflegerischen Tätigkeiten.
Die vollständige und aktuellste Fassung veröffentlicht das Robert Koch-Institut in den STIKO-Empfehlungen 2026. Bei Vorerkrankungen oder besonderen Lebenssituationen sollte die individuelle Empfehlung mit Arztpraxis oder Apotheke geklärt werden.

Was gilt für Schwangere?
Für gesunde Schwangere empfiehlt die STIKO die saisonale Influenza-Impfung grundsätzlich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Wenn wegen einer Grunderkrankung bereits ein erhöhtes Risiko für einen schweren Influenza-Verlauf besteht, kann die Impfung nach ärztlicher Abwägung schon früher angezeigt sein.
Aktuelle Informationen dazu bietet auch infektionsschutz.de.
Wann ist der beste Zeitpunkt?
Für Deutschland wird die Impfung typischerweise im Herbst empfohlen. Das Informationsportal infektionsschutz.de nennt Oktober bis Mitte Dezember als bevorzugten Zeitraum. Nach der Impfung braucht der Körper ungefähr 10 bis 14 Tage, um einen guten Impfschutz aufzubauen.
Wer diesen Zeitraum verpasst, muss die Saison aber nicht automatisch abhaken. Eine spätere Impfung kann je nach Verlauf der Grippewelle weiterhin sinnvoll sein. Entscheidend ist die aktuelle epidemiologische Lage und das persönliche Risiko.

Warum muss die Grippeimpfung jedes Jahr neu erfolgen?
Influenzaviren verändern sich. Deshalb wird die Zusammensetzung der saisonalen Impfstoffe regelmäßig an die erwarteten zirkulierenden Virusvarianten angepasst. Zusätzlich lässt der Impfschutz mit der Zeit nach.
Die jährliche Empfehlung ist also nicht damit zu erklären, dass eine alte Impfung „wirkungslos“ gewesen wäre, sondern damit, dass sowohl Virusvarianten als auch Immunantwort sich verändern.
Welche Impfstoffe werden für Menschen ab 60 empfohlen?
Für ältere Menschen berücksichtigt die STIKO Impfstoffe, die eine stärkere Immunantwort hervorrufen sollen. Welche konkreten Impfstoffe in der Saison 2026/27 verfügbar und für die jeweilige Person geeignet sind, sollte anhand der aktuellen STIKO-Fassung und der ärztlichen beziehungsweise pharmazeutischen Beratung entschieden werden.
Gerade bei Impfstoffnamen oder Produktverfügbarkeit ist es sinnvoll, nicht mit Angaben aus älteren Jahren zu arbeiten, weil Empfehlungen und zugelassene Produkte sich ändern können.
Kann die Grippeimpfung eine Grippe auslösen?
Die üblichen in Deutschland verwendeten Influenza-Impfstoffe für Erwachsene können keine echte Influenza verursachen. Nach einer Impfung sind jedoch vorübergehende Impfreaktionen möglich, zum Beispiel Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder leichtes Krankheitsgefühl.
Wer kurz nach der Impfung eine Erkältung bekommt, kann sich außerdem unabhängig davon mit einem anderen Atemwegsvirus angesteckt haben. Genau deshalb ist die Unterscheidung zwischen Influenza und gewöhnlicher Erkältung wichtig.
Grippeimpfung schützt nicht vor jeder Erkältung
Eine laufende Nase im November bedeutet nicht automatisch Influenza. Viele verschiedene Viren können Erkältungssymptome verursachen. Die Grippeimpfung richtet sich gezielt gegen Influenzaviren.
Allgemeine Maßnahmen, mit denen sich das Risiko für Atemwegsinfektionen im Alltag reduzieren lässt, haben wir im Beitrag „Erkältungszeit 2026: Was im Alltag wirklich hilft“ zusammengefasst.
Kann man die Grippeimpfung zusammen mit anderen Impfungen bekommen?
Bei vielen Impfstoffen ist eine gleichzeitige Gabe grundsätzlich möglich, allerdings hängt die konkrete Empfehlung von Impfstoff, Alter, Vorerkrankungen und aktuellem Impfplan ab. Wer gleichzeitig weitere Impfungen benötigt, sollte das mit der impfenden Stelle besprechen.
Besonders bei mehreren anstehenden Impfungen lohnt sich ein Blick in den Impfpass, damit nicht nur die Influenza-Impfung betrachtet wird, sondern auch andere fällige Standardimpfungen.
Was gilt bei einer leichten Erkältung?
Eine leichte Erkrankung ohne Fieber ist nicht automatisch ein Grund, eine Impfung zu verschieben. Bei stärkeren akuten Erkrankungen oder Fieber sollte die impfende Ärztin, der Arzt oder die Apotheke entscheiden, wann ein guter Zeitpunkt ist.
Wer unsicher ist, sollte nicht selbst anhand allgemeiner Internetregeln entscheiden, sondern die konkrete Situation kurz medizinisch abklären.
Wo kann ich prüfen, ob die Empfehlung auf mich zutrifft?
Eine gut verständliche erste Orientierung bietet der Grippe-Impfcheck von infektionsschutz.de. Er ersetzt keine individuelle Beratung, hilft aber dabei, die wichtigsten STIKO-Kriterien einzuordnen.
Für medizinische Entscheidungen sollte am Ende immer die persönliche Situation berücksichtigt werden – besonders bei chronischen Erkrankungen, Schwangerschaft, Immunschwäche oder früheren starken Impfreaktionen.
Was sagt die aktuelle Atemwegslage?
Anfang September 2026 lag die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland laut Robert Koch-Institut noch auf niedrigem Niveau. Die eigentliche Influenzasaison liegt typischerweise später im Herbst und Winter. Gerade deshalb ist der September ein guter Zeitpunkt, sich über die eigene Impfempfehlung zu informieren und einen Termin zu planen.
Die kurze Zusammenfassung
- Die Grippeimpfung wird nicht pauschal für jede Person identisch empfohlen.
- Menschen ab 60 und bestimmte Risikogruppen gehören zu den zentralen STIKO-Empfehlungsgruppen.
- Oktober bis Mitte Dezember ist in Deutschland meist der bevorzugte Impfzeitraum.
- Der Schutz baut sich ungefähr innerhalb von 10 bis 14 Tagen auf.
- Die Impfung wird jährlich an die aktuelle Saison angepasst.
- Sie schützt vor Influenza, nicht vor jeder Erkältung.
Als Teil einer allgemeinen Herbstvorbereitung kannst du außerdem unsere Herbst-Checkliste für den Alltag nutzen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder individuelle Impfentscheidung. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen STIKO-Empfehlungen und die persönliche medizinische Situation.
