Die Tage werden kürzer, morgens ist es kühler und in Bus, Büro oder Wartezimmer sitzen wieder mehr Menschen mit Schnupfen und Husten. Trotzdem ist Anfang September noch keine große Grippewelle da: Das Robert Koch-Institut meldete für die Kalenderwochen 32 bis 35 des Jahres 2026 weiterhin eine sehr niedrige Aktivität akuter Atemwegserkrankungen, allerdings mit einem leichten Anstieg seit der 33. Kalenderwoche.
Im RKI-Sentinel dominierten zuletzt vor allem Rhinoviren; Influenza und SARS-CoV-2 wurden nur sporadisch nachgewiesen. Genau jetzt ist deshalb ein guter Zeitpunkt, sich an ein paar einfache Gewohnheiten zu erinnern – ohne daraus ein tägliches Hygieneprojekt zu machen.
Erkältung, Grippe und COVID-19 sind nicht dasselbe
„Ich habe die Grippe“ wird umgangssprachlich oft für jede stärkere Erkältung verwendet. Medizinisch ist das ungenau. Eine klassische Erkältung kann durch zahlreiche unterschiedliche Viren ausgelöst werden. Die echte Grippe wird durch Influenzaviren verursacht. COVID-19 wiederum durch SARS-CoV-2.
Symptome können sich überschneiden. Wer wegen starker Beschwerden, Vorerkrankungen oder eines erhöhten Risikos unsicher ist, sollte deshalb nicht allein anhand einer Symptomliste eine Diagnose stellen.
Händewaschen: sinnvoll, aber nicht im Minutentakt
Hände kommen ständig mit Türklinken, Haltegriffen, Einkaufswagen, Smartphones und anderen Oberflächen in Kontakt. Regelmäßiges Händewaschen gehört deshalb zu den grundlegenden Hygienemaßnahmen.
Besonders sinnvoll ist es:
- nach dem Nachhausekommen,
- vor dem Zubereiten und Essen von Lebensmitteln,
- nach dem Toilettengang,
- nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen in die Hände,
- vor engem Kontakt mit besonders gefährdeten Personen.
Die Informationsangebote von infektionsschutz.de vermitteln hierzu alltagstaugliche Hygieneregeln und Materialien zu Atemwegsinfektionen.

Husten und Niesen: lieber in die Armbeuge
Wer in die Hand hustet und danach eine Türklinke anfasst, verteilt Sekrete weiter. Besser ist die Armbeuge oder ein Einmaltaschentuch, das anschließend entsorgt wird. Danach Hände waschen.
Das klingt banal, ist aber im Alltag genau die Art von Maßnahme, die wenig Aufwand verursacht und gleichzeitig Rücksicht auf andere nimmt.
Lüften ist besonders in gemeinsam genutzten Räumen sinnvoll
Atemwegserreger können über Tröpfchen und kleinere Partikel in der Luft übertragen werden. In schlecht gelüfteten Innenräumen steigt die Konzentration ausgeatmeter Partikel. Regelmäßiger Luftaustausch kann deshalb sinnvoll sein – besonders, wenn viele Menschen längere Zeit in einem Raum sitzen.
Das bedeutet nicht, dass im Herbst jedes Fenster dauerhaft auf Kipp stehen muss. Kurzes kräftiges Lüften ist im Alltag oft praktikabler. Wer gleichzeitig Feuchtigkeit und Schimmel vermeiden möchte, findet dazu unseren Ratgeber „Richtig heizen und lüften im Herbst“.

Wenn du krank bist: Abstand ist keine Unhöflichkeit
Ein wichtiger Teil von Infektionsschutz ist erstaunlich untechnisch: Wer akut krank ist, sollte enge Kontakte möglichst reduzieren – besonders zu älteren, chronisch kranken oder immungeschwächten Menschen.
Ein Treffen zu verschieben, weil man fiebrig und hustend im Bett liegt, ist keine schlechte Freundschaft. Es ist Rücksicht.
Wenn ein Kontakt nicht vermeidbar ist, können zusätzliche Maßnahmen wie Abstand, gute Lüftung oder je nach Situation eine passende Maske sinnvoll sein.
Maske: kein Alltagszwang, aber ein Werkzeug
Masken sind nach den Pandemie-Jahren emotional aufgeladen. Sachlich betrachtet sind sie schlicht ein Werkzeug, das in bestimmten Situationen die Übertragung von Atemwegserregern reduzieren kann.
Wer selbst Symptome hat und trotzdem zwingend in eine volle Bahn oder Arztpraxis muss, kann damit andere besser schützen. Auch besonders gefährdete Menschen können eine gut sitzende Maske in Phasen hoher Infektionsaktivität gezielt nutzen.
Ob und wann das im persönlichen Alltag sinnvoll ist, hängt von Situation, eigenem Risiko und aktueller Infektionslage ab.
Schlaf, Bewegung und Ernährung: wichtig, aber kein Virenschutzschild
Ausreichender Schlaf, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung gehören zu einem gesunden Alltag. Sie verhindern aber nicht zuverlässig, dass ein Virus in den Körper gelangt. Vorsicht deshalb bei Werbung für Präparate, die angeblich das Immunsystem „boosten“ und Erkältungen praktisch verhindern sollen.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und sollten bei medizinischen Fragen oder möglichen Mängeln nicht auf Verdacht hoch dosiert eingenommen werden.
Für allgemeine gesunde Routinen findest du mehr in unserem Beitrag „Mehr Wohlbefinden im Alltag: Kleine Gewohnheiten mit großer Wirkung“.
Was sagt die aktuelle Lage Anfang September 2026?
Nach der Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI lag die ARE-Aktivität in den Kalenderwochen 32 bis 35 noch auf sehr niedrigem, für die Jahreszeit üblichem Niveau. Gleichzeitig zeigten einzelne Systeme erste leichte Signale steigender Influenza- und SARS-CoV-2-Aktivität.
Das ist wichtig für die Einordnung: Ein einzelner hustender Kollege bedeutet noch keine „Grippewelle“. Die saisonale Lage verändert sich aber im Herbst und Winter, deshalb lohnt der Blick auf aktuelle RKI-Berichte, wenn du die Situation genauer verfolgen möchtest.
Impfungen schützen nicht vor jeder Erkältung
Eine Grippeimpfung richtet sich gegen Influenza, nicht gegen die vielen Viren, die klassische Erkältungen verursachen. Auch deshalb kann jemand trotz Grippeimpfung Schnupfen oder Husten bekommen, ohne dass die Impfung „nicht funktioniert“.
Wer zur Gruppe gehört, für die die Ständige Impfkommission eine Influenza-Impfung empfiehlt, sollte den passenden Zeitpunkt mit Arztpraxis oder Apotheke klären. Dazu erscheint am 21. September bei uns ein eigener, auf die Saison 2026/27 aktualisierter Ratgeber.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Allgemeine Hygienetipps ersetzen keine medizinische Abklärung. Bei Atemnot, starken oder ungewöhnlichen Beschwerden, anhaltend hohem Fieber, deutlicher Verschlechterung oder bei Menschen mit erhöhtem Risiko sollte medizinischer Rat eingeholt werden. Auch bei Unsicherheit gilt: lieber gezielt nachfragen als eine Diagnose aus dem Internet zusammenbauen.
Die einfache Herbstregel
Du musst deinen Alltag nicht steril machen. Ein paar vernünftige Gewohnheiten reichen: Hände zu passenden Gelegenheiten waschen, in Armbeuge oder Taschentuch husten, Innenräume lüften, bei Krankheit Rücksicht nehmen und Impfempfehlungen individuell prüfen.
Das klingt weniger spektakulär als „der eine Trick gegen Erkältungen“. Genau deshalb ist es glaubwürdiger – und im Alltag meistens hilfreicher.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
